Nord-Neukölln Transformation der Fernwärme

Das ausgewählte Gebiet in Nord-Neukölln. Eigene Darstellung auf Basis von OpenStreetMap ©OpenStreetMap-Mitwirkende; www.openstreetmap.org/copyright

Fernwärme wird in Städten zukünftig eine große Bedeutung zugeschrieben. Allerdings muss auch die Fernwärme vorrangig auf erneuerbare Energien und Abwärme umgestellt werden, um einen nennenswerten Beitrag zu den Klimaschutzzielen zu leisten. Doch welche Optionen für eine nachhaltige Fernwärmeversorgung gibt es in Berlin?

Im Reallabor Neukölln im Bezirk Neukölln-Nord wird ein großer Teil der Gebäude durch das Fernheizwerk Neukölln AG mit Fernwärme versorgt. Für die Bereitstellung der Wärme sind mehrere Kesselanlagen, die mit Holzpellets, Steinkohle, Erdgas und Heizöl befeuert werden, sowie insgesamt sieben erdgas- und biogasbetriebene BHKW-Anlagen, ein Wärmespeicher und eine Power-to-Heat-Anlage im Einsatz. Hinzu kommt ein Wärmebezug aus dem großen Fernwärmeverbundnetz der Vattenfall Wärme Berlin AG. Die 2017 beschlossene Novelle des Energiewendegesetzes verpflichtet den Berliner Senat, die Energieerzeugung aus Braunkohle bis Ende 2017 und aus Steinkohle bis 2030 zu beenden. Der Erzeugerpark muss daher umgestellt werden, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. In diesem Zusammenhang untersuchen die Forscher/innen im Reallabor Neukölln Fragen nach alternativen Fernwärmeerzeugungskonzepten, einer stärkeren Sektorkopplung sowie die Einbindung von Abwärme und erneuerbaren Energien. Bei der Nutzung von Niedertemperaturwärme ist die Machbarkeit saisonaler Speicher und die Verfügbarkeit weiterer Standorte für Energieinfrastrukturen im dicht bebauten Versorgungsgebiet zu berücksichtigen. Der Wärmebedarf der Gebäude und somit der Fernwärmeabsatz wird in Zukunft aufgrund der fortschreitenden energetischen Sanierung sinken, zugleich gibt es noch Nachverdichtungspotenzial für die Fernwärme. Viele der Gebäude im Versorgungsgebiet sind der sogenannten besonders erhaltenswerten Bausubstanz zuzuordnen. Außerdem liegt ein Großteil der versorgten Gebäude in Milieuschutzgebieten. Das Projekt Urbane Wärmewende wird im Reallabor Neukölln daher zusätzlich untersuchen, inwiefern dies Hemmnisse für die energetische Sanierung sind.