Urbane Wärmewende Berlin - Projektdesign

Das Vorhaben ist inter- und transdisziplinär angelegt. In drei Transformationsräumen auf Stadtteil- und Quartiersebene in Berlin greift das Vorhaben die laufenden Transformationsprozesse in Berlin auf, wie etwa das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm. Die Transformation der Wärmeversorgung wird in konkreten Praxiskontexten und im Austausch mit Akteuren vor Ort untersucht und vorangebracht.

Das Forschungsvorhaben gliedert sich in acht Bausteine:

1) Gesamtstädtische Bestandsaufnahme und Auswahl der Transformationsräume
Zunächst werden benötigte Daten für die Stadt Berlin zusammengeführt und visualisiert: zur Wärme-, Gas- und Strominfrastruktur, Gebäudestruktur, der aktuellen Wärmeversorgung, dem Sanierungszustand sowie soziodemografische und -ökonomische Daten. Anhand von zu entwickelnden Kriterien werden drei Untersuchungsgebiete als Transformationsräume ausgewählt. Somit entsteht in diesem Baustein die Grundlage für die weiteren Analysen.

2) Simulation von Optionen zur Wärmeversorgung
Im zweiten Schritt werden in den Transformationsräumen gemeinsam mit relevanten Akteuren verschiedene Systemoptionen zur Wärmeversorgung identifiziert. In einer Simulation werden folgende Zielgrößen der jeweiligen Optionen beschrieben: Wärmebedarf, erzeugte Wärme und Strom, Zusammensetzung der Energieträger, eingesetzte Technologien (zentral, dezentral) sowie Schnittstellen und Kopplungen mit anderen Infrastrukturen.

3) Bewertung von Resilienz und Vulnerabilität
Anschließend wird untersucht, welche Verwundbarkeiten – ereignisbasiert oder strukturell – entstehen, indem Teil-Energiesysteme verändert werden. Ausgehend von den Ergebnissen dieser sogenannten Vulnerabilitätsanalyse werden Ansätze definiert, um Verwundbarkeiten zu minimieren. Es wird ein Resilienzkonzept entwickelt, das auch dazu beitragen soll, dass das System möglichst widerstands- und anpassungsfähig gegenüber derzeit noch unvorhersehbaren Entwicklungen ist.

4) Ökologische Wirkungen, Exergie und Ressourceneffizienz
Ziel des vierten Bausteins ist es, die ausgewählten Systemoptionen der Wärmeversorgung anhand verschiedener Wirkungskategorien ökologisch zu bewerten. Neben einer literaturbasierten Identifikation von ökologischen Hot-Spots der Systemoptionen werden für die Infrastrukturleistungen über den gesamten Lebenszyklus Ökobilanzen erstellt. Eine energetische Bewertung erfolgt mittels Exergieanalysen.

5) Ökonomische Wirkungen, partizipative Geschäftsmodelle
Was bedeuten die ausgewählten Systemoptionen aus betriebswirtschaftlicher Sicht? In diesem Baustein werden Kostenstrukturen untersucht und betriebs- und volkswirtschaftliche Kennzahlen (z. B. Wertschöpfung) ermittelt. Des Weiteren werden Geschäftsmodelle identifiziert, die eine Teilhabe verschiedener Bevölkerungsgruppen ermöglichen. Indem unterschiedliche Akteursgruppen berücksichtigt werden, können fiskalische Verteilungs- und Beschäftigungseffekte abgeschätzt werden.

6) Governance: Institutionenökonomische und juristische Analysen
Basierend auf einem institutionenökonomischen Ansatz sollen unterschiedliche Governanceformen (Organisationsmodelle) für kommunale Energiesysteme qualitativ bewertet werden. Im Fokus steht die Frage, wie gut verschiedene Governanceformen geeignet sind, um technisch-systemische Optimierungen umzusetzen. Auch soll überprüft werden, ob/inwieweit das bestehende Regulierungsregime angepasst werden muss, um sinnvolle kommunale Lösungen zu erreichen.

7) Beteiligungsformate und Beteiligungsprozess
Das gesamte Projekt ist transdisziplinär ausgerichtet – Stakeholder, Bürger/innen und Praxispartner werden kontinuierlich in die Auswahl, Diskussion und Bewertung verschiedener Optionen der Wärmeversorgung eingebunden. Hierfür werden unterschiedlichen Formate auf unterschiedlichen Ebenen (gesamtstädtisch, in den Transformationsräumen) konzipiert. Neben einer Auftaktveranstaltung und einer Abschlussveranstaltung werden sechs Werkstätten in den ausgewählten Gebieten durchgeführt.

8) Integrierte Bewertung und Handlungsempfehlungen
Im letzten Baustein werden die Ergebnisse zusammengeführt, so dass sie integriert bewertet und Zielkonflikte zwischen den Nachhaltigkeitsdimensionen identifiziert werden können. Des Weiteren werden auf drei Ebenen Handlungsempfehlungen abgeleitet: für die drei Transformationsräume, für die gesamte Stadt sowie verallgemeinerbare Erkenntnisse zu urbanen Transformationsprozessen in der Wärmewende.